Semper Talis: über 300 Jahre Tradition

Semper Talis: über 300 Jahre Tradition

Thema des heutigen Beitrages
Für Formaldienst-Legastheniker müssen sie wohl so etwas wie Superhelden sein: die schneidigen Kameraden des Wachbataillons. Wo ihr Ursprung liegt, welche Traditionen sie aufrecht erhalten und was "Semper Talis" wirklich bedeutet wollen wir heute klären. Viel Spaß beim lesen!

Über das Wachbataillon
Das Wachbataillon (Wachbataillon beim Bundesministerium für Verteidigung) ist streng genommen ein Teil der Infanterie. Daher ist vielen nicht bekannt, dass die Soldaten der Truppe nicht nur protokolarische Aufgaben haben: im Ernstfall sind die Soldaten des Wachbataillons für den Schutz des Bundesministeriums der Verteidigung und von Regierungsangehörigen verantworlich. Das Wachbataillon wurde am 15. Februar 1957 aufgestellt und zählt zu den ersten Einheiten der Bundeswehr überhaupt. Zudem ist es mit über 1.000 dienenden Soldaten und ganzen 7 Kompanien auch eines der größten Bataillone der deutschen Streitkräfte.

Auftrag

Die Kernaufgaben der Soldaten des Wachbataillons liegen hauptsächlich in protokollarischen Tätigkeiten. Staatsempfänge, Zapfenstreiche und andere öffentichkeitswirksame Auftritte verhalfen der Truppe zu einem hohen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung.
Der bereits erwähnte Sicherungsauftrag von Regierungsangehörigen und der Objektschutz des BMVg spielen im normalen Dienstalltag eine deutlich untergeordnete Rolle. Das Wachbataillon nimmt ebenfalls nicht an Auslandseinsätzen teil, wie es viele Protokolleinheiten anderer Staaten tun. Vielmehr wird hoher Wert auf die Ausbildung der Protokollauftritte selbst gelegt.
Aufgrund von nötigen Exerziergriffen wurden auch lange Zeit keine Frauen in den Protokollompanien aufgenommen. So ist beispielsweise ein Schlag auf die Brust mit dem Gewehr für weibliche Kameraden zu schmerzhaft.

Ausrüstung & Waffen
Das Wachbataillon nutzt bis heute den Karabiner K98 kurz der Werhmacht. So wurden erst 1995 wurden sämtliche Hakenkreuze auf Drängen der SPD an den Waffen abgeschliffen. Die Karabiner selbst
sind jedoch seit jeher demilitarisiert und können nur mit Platzpatronen geladen werden.
Daher nutzt das Wachbataillon zur Sicherung des BMVg im Schwerpunkt das Gewehr G36. Es sind zwar keinerlei schwere Waffen vorhanden, doch wurden im Jahr 2006 zehn Feldhaubitzen des Typs M101 Kaliber 105 mm zusätzlich zur Verfügung gestellt.
Die Uniformen des Wachbataillons entsprechen größtenteils denen der jeweiligen Teilstreitkräfte. Einzig die Ärmelbänder mit der Aufschrift Wachbataillon und die schnürlosen Stiefel, auch Knobelbecher genannt, stellen ein Alleinstellungsmerkmal dar.

Tradition & Wortherkunft "Semper Talis"
Das Wachbataillon ist der einzige Verband, der entgegen des Tradistionserlasses Wurzeln noch weit vor der Gründung der Bundeswehr hat.

Der lateinische Wahlspruch "Semper Talis" war bereits auf den Grenadiermützen des Altpreußischen Infanterieregiments No. 6 (volkstümlich: lange Kerls) eingestickt. Die dem Regiment nachfolgenden Einheiten behielten diese Tradition bei. So hatte auch das I. Bataillon des 1. Garde-Regiments zu Fuß bis einschließlich 1918 das sogenannte "Semper Talis Band" über dem Helmadler der Pickelhauben getragen.

Nach dem ersten Weltkrieg gründete sich aufgrund der Auflösung der alten Armee der Semper Talis Bund e.V, um ehemaligen Mitgliedern des 1. Garde-Regiments eine Plattform zur Aufrechterhaltung derer Traditionen und zum Gedankenaustausch zur Verfügung zu stellen. Dieser besteht noch bis heute.
Die Traditionen wurden auch in der Reichswehr im 9. preußischen Infanterie-Regiment und anschließend in der Wehrmacht unter dem Infanterieregiment 9 in Potsdam weitergeführt.

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges und zur Aufstellung des Wachtbataillons im Jahre 1957 wurden sofort Verbindungen zum Semper Talis Bund geknüpft.
So steht "Semper Talis" für weit mehr als nur einen Schlachtruf: es ist das Hochhalten einer Tradition die bis ins Jahr 1675 reicht und bis heute in der Bundeswehr durch das Wachbataillon gepflegt und praktiziert wird.

Der Wahlspruch stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Immer gleich.

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